Erfreuliche Halbzeit im Neulinger Gemeindewald
– Zwischenprüfung zum Zehnjahresplan – bei-spielhafte Naturverjüngung eines Eichenbe-standes – Hochwasser gräbt Canyon durch Teil des Bauschlotter Waldes Der Wald hat seine eigenen Gesetze, vor allem was die Zeit-räume betrifft, in denen sich sein Lebensrhythmus und die wirtschaftliche Nutzung durch den Menschen vollzieht. Während „Halbzeit“ in anderen Zusammenhängen gerade einmal 45 Minuten bedeutet, meint sie im Hinblick auf die forstwirtschaftliche Planung immerhin ganze fünf Jahre. Von 2011 bis 2020 reicht der aktuelle Zehnjahresplan, die sogenannte „Forsteinrichtung“, für den fast 500 Hektar großen Wald im Eigentum der Gemeinde Neulingen. Zur Halbzeit gab es nun eine „Zwischenprüfung“ durch die zuständige Forstdirektion des Regierungspräsidiums Freiburg, die Revierförster Martin Schickle eine hervorragende Arbeit bescheinigt. „Der Wald der Gemeinde ist in guten Händen. Die Betreuung durch den Revierförster erfolgt mit viel Engagement, fachlich fundiert, waldbaulich ambitioniert und mit Blick auf die wirtschaftliche Durchführung der erforderlichen Maßnahmen“, lobt Frieder Kurtz, der Leiter des Forstamtes des Enzkreises. Die ausgezeichnete Beurteilung freut auch Neulingens Bürgermeister Michael Schmidt und die Mitglieder des Gemeinderates, die sich bei einer Waldbegehung über den Stand der Dinge und aktuelle Themen im Gemeindewald informieren ließen. Als ein besonderes forstwirtschaftliches Kleinod im Gemeindewald darf die gelungene Entwicklung einer Waldfläche im Gewann „Schlettich“ unweit des Weges zum Neulinger „Waldwichtelhaus“ gelten. Hier wurde ein erntereifer, rund 200 Jahre alter Bestand von Eichen genutzt, um auf natürliche Weise junge Eichen nachzuziehen. Aus den kleinen Sämlingen, die aus den Früchten der Jahre 2011 und 2012, als die Bäume besonders viele Eicheln trugen, vor Ort aufgegangen sind, sind mittlerweile hüfthohe kleine Bäumchen geworden. Sie waren teilweise durch Wuchshüllen vor Wildverbiss geschützt worden. Aber auch der Einsatz der Neulinger Jäger habe dazu beigetragen, den Wildverbiss an den kleinen Bäumen niedrig zu halten, so die Forstfachleute. Revierförster Martin Schickle unterstreicht die Bedeutung, die eine solche natürliche Verjüngung der Eichen hat. „Auch die besten Baumsetzlinge aus Anzuchtbetrieben können da nicht mithalten. Nichts geht über eine ganz natürlich am Ort der Keimung entstandene Bewurzelung eines Baumes“, erläutert Martin Schickle. Hinzu kommt: Es handelt sich hier um vielversprechenden Samen von gesunden Bäumen, die hervorragend an genau diesen Standort angepasst sind. Das war bei den Buchensetzlingen, die vor gut 15 Jahren auf der ersten Aufforstungsfläche nach dem Orkan „Lothar“ vom zweiten Weihnachtstag im Gewann „Sallenhau“ gepflanzt wurden, wohl nicht in dem Ausmaß der Fall. Hier ist der Revierförster mit dem bisherigen Ergebnis nicht ganz zufrieden. Im Zuge der Wiederaufforstung waren gekaufte Jungpflanzen gesetzt worden. Vielleicht waren es damals doch nicht die eigentlich georderten Buchen „aus der Region“ gewesen, die geliefert worden waren. Es sei schon damals irritierend gewesen, dass der Vorrat an regionalen Buchen nie erschöpft war, obwohl nach „Lothar“ doch eine so ungeheuer große Nachfrage seitens des Forstes vorhanden war. „Erst seit es den ‚genetischen Fingerabdruck‘ gibt, mit dem die Herkunft überprüft werden kann, gehen die lokalen Sorten auch einmal aus“, schmunzelt der Revierförster. Bei ‚Hochwasserschäden‘ wird man vermutlich nicht zuerst an den Wald denken. Aber die heftigen Niederschläge binnen kürzester Zeit beim großen Unwetter am 8. Juni 2016 haben im Bauschlotter „Ziegenwäldle“ aus einem bestehenden Graben einen regelrechten Canyon gemacht. Gewaltige Wassermassen haben den Boden bis auf die mächtigen Gesteinsplatten des anstehenden Muschelkalkes ausgefräst, an anderer Stelle riesige Bänke aus schweren Gesteinsbrocken aufgehäuft. Bei der Flut wurden nicht nur Wurzeln freigeschwemmt und damit Bäume in ihrer Stabilität beeinträchtigt. „Entlang dieses Grabens führt auch die Abwasserleitung von Neulingen nach Bretten. Weitere Hochwässer dieser Art könnten diese sogar aus dem Boden spülen“, warnt Schickle. Ein Rückhaltebecken am Kanalweg unterhalb des Recyclinghofes könnte hier eine wesentliche Entschärfung bringen. Eine letzte Station der Waldinspektion führte zur Gemarkungs-grenze zwischen dem Neulinger Ortsteil Nußbaum und Stein oberhalb des Heimbronner Hofes. Hier hat die Gemeinde zwei Flächen von insgesamt 240 Ar erworben, um diese aufzuforsten. Ein erster Aufforstungsabschnitt soll zum Ausgleich der für den Bau des Regenrückhaltebeckens in Göbrichen in Anspruch genommenen Flächen dienen. Für das wegen des häufigen Windes zur Trockenheit neigenden Geländes kommen als Baumarten Eiche, aber auch Kiefer oder Douglasie in Betracht, die mehr Trockenheit vertragen als etwa die Buche. Zum Foto: Eine vorbildliche Naturverjüngung von Eichen hat sich im Neulinger Gewann „Schlettich“ entwickelt, wie Revierförster Martin Schickle (links) und Forstamtsleiter Frieder Kurtz (Zweiter von rechts) dem Gemeinderat erläuterten.